[Titelfragment 1.1] [Titelfragment 1.2] Titelfragment 1.3]
[Titelfragment 2.1] [Titelfragment 2.2] [Titelfragment 2.3]
[Titelfragment 3.1] [Titelfragment 3.2] [Titelfragment 3.3]



Huschende Heimlichkeiten (oder ganz einfach: Kroatien IV)

Jeder Mikroskopiker weiß es: ein zweiter (dritter, vierter ...) Blick ins Mikroaquarium offenbart so manche Überraschung, in unserem Fall ein Bärtierchen-Genus, das wir in den Monaten vorher schlicht und einfach übersehen hatten.

Man hüte sich allerdings vor der Bärtierchen-Betriebsblindheit: wenn Sie beispielsweise auf dem Bild gleich hier unten ein maritimes Bärtierchen zu sehen glauben, ist es vielleicht wieder mal Zeit für eine Hirndurchlüftung (weg vom Mikroskop, Spaziergang etc.).


[ Foraminiferengehäuse ]

Beim flüchtigen Hinsehen könnte man hier den Leib eines maritimen Bärtierchens vermuten, das sich, wie gewohnt, ganz eng an ein Sandkorn anschmiegt. Länge 0,2 mm.

Bei genauerer Betrachtung aus anderer Perspektive, nach dem Wenden und behutsamen Lösen mit der Mikronadel, erweist sich so manches dieser "Bärtierchen" als Foraminiferengehäuse:


[ Foraminiferengehäuse ]

Foraminiferengehäuse, von oben gesehen. Durchmesser ca. 0,2 mm, ähnlich der Körperlänge eines maritimen Bärtierchens.


Manchmal jedoch trügt der subjektive Eindruck nicht, man muß allerdings gelegentlich sehr scharf hinsehen:


[ Foraminiferengehäuse ]

Wie das klassische Bilderrätsel. Finden Sie den Unterschied! Die beiden Aufnahmen stammen von einem Video, sind etwa mit einer Sekunde Abstand aufgenommen. Der rote Pfeil markiert die Krallen eines Bärtierchens, welches, von der Kornrückseite kommend, die Substratkante umgreift. Machmal folgt dann der Kopf (im Stil von "Kilroy is watching you"). Es kann aber auch sein, daß das Bärtierchen sich samt seinen Krallen wieder vorsichtig zurückzieht.

Damit Sie das Ganze besser glauben können, zeigen wir auf dem nächsten Foto (vom selben Video) wieder eine Kralle, diesmal jedoch zusammen mit dem Leib des zugehörigen Bärtierchens, direkt darüber:


[ maritimes Bärtierchen ]


Und hier finden Sie eine Detailaufnahme (Vorderleib) von diesem - hier im Journal noch nicht vorgestellten - Florarctus Bärtierchen:


[ maritimes Bärtierchen ]

Bärtierchen vom Genus Florarctus. Beine außerhalb der Schärfeebene. Bildbreite ca. 0,15 mm.


Es sind recht ätherische Wesen, manche erscheinen fast wasserklar. Die Tarnung fliegt allerdings auf, wenn sie etwas gefressen haben und womöglich auf einem hellen Kalksteinkörnchen sitzen.


[ maritimes Bärtierchen ]

Maritimes Florarctus Bärtierchen. Es ist nicht immer einfach, die oben gezeigte Kopfregion wie hier unter natürlichen Bedingungen, im Auflicht, direkt auf dem Sandkorn zu erkennen. Im Foto zeigt der Kopf nach links unten.


[ maritimes Bärtierchen ]

Maritimes Florarctus Bärtierchen auf Sandkorn. Nach heftigem Nachkontrastieren in der Bildverarbeitung sind in Richtung 1 Uhr immerhin die nach hinten weggestreckten Beinchen gerade noch zu erahnen.


Wie gewohnt folgen in einer der nächsten Ausgaben des Journals Totalen und Videos.



Thematisch verwandte Literatur

Hirokuni Noda: A New Species of Marine Tardigrada of the Genus Florarctus (Heterotardigrada, Halechiniscidae) from Japan. Publ. Seto Mar. Biol. Lab., 32 (1987) S. 323-328 [Es gibt eine kostenlose on-line Vollversion. Googeln Sie einfach nach "florarctus new species noda"].



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© Text, Fotos und Filme von  Martin Mach