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Aktueller Hinweis: Das Schweizer Naturmagazin "La Salamandre" bereitet derzeit ein umfangreiches  Bärtierchen-Sonderheft  vor.

Im eigens eingerichteten  Redaktions-Blog  beschreibt der "Rédacteur en chef" Julien Perrot schon jetzt Vorgeschichte und Arbeitsfortschritt. Als Bärtierchenfreund/in sollten Sie dieses Heft nicht verpassen: es wird unsere Favoriten in weltweit einzigartigem Umfang bildnerisch und multimedial präsentieren - in Form einer greifbaren und deshalb natürlich auch im Kollegen- und Bekanntenkreis weiterreichbaren/verschenkbaren Zeitschrift.
Nota bene: Weihnachten rückt näher, egal ob wir es nun wollen oder nicht. Ein Bärtierchen-Sonderheft könnte in vielen Problemfällen punktgenau passendes Geschenk sein.

Nebenbei sei angemerkt, daß auch der "Salamandre" schon 25 Jahre existiert. Die Zeitschrift widmet sich mit bemerkenswert hohem Einsatz den in den Augen der Konkurrenz weniger gut verkäuflichen Themen der uns wirklich nahen Natur (Bienen, Specht, Insekten, Gartenfauna ...) - auf hohem bildnerischen Niveau, mit fachlich soliden Texten unterlegt. Es ist deshalb auch mit neuen Bärtierchen-Grafiken zu rechnen, die manches zeigen könnten, was mit Fotos alleine nicht so plastisch darstellbar ist. Sie können Ihr Sonderheft einfach via Internet über die  Salamandre Website  bestellen.



Die Renaturierung des Isar-Flussbetts in München (I)

Die Isar, ein ursprünglich ihres Wesens und Namens nach reißender Fluß, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ein streng reglementierendes, geradliniges Betonbett gezwängt. Im  Isar-Plan  greift die Stadt München derzeit eine modernere Denkweise auf: Nach Abschluß der Renaturierung soll die Isar wieder so ähnlich aussehen wie im 19. Jahrhundert, mit geschwungenen Wasserwegen, veränderlichen Geröllbänken und natürlicheren Grenzen zwischen Wasser und Land.

Selbstredend wird sogar im beschaulichen, aperolgesättigten München gelegentlich ein wenig über die Isarrenaturierung gestritten. Wie generell bei politischen Diskussionen urteilt der jeweilige Meinungsträger flüchtig, aus seinem Bauch heraus, meint entweder, die Isarrenaturierung sei eine gigantische Steuermittelverschwendung, oder aber, daß sie die Münchner Isarregion in einen paradiesgleichen Naturraum zurückverwandeln könne - mindestens  so wie bei den Galapagos-Inseln.

Die Meinung der Redaktion tut nichts zur Sache, wir kennen uns in der Tat mit Wasserwirtschaft und Überschwemmungsmanagement nur wenig aus. Wohl mit Recht gehen wir allerdings davon aus, daß bei den Planungen zur Isar-Renaturierung die Interessen von vielen Milliarden direkten Anrainern, den Bärtierchen, wohl nicht gesehen geschweige denn berücksichtigt wurden.
Auch in den Beschreibungen der Isarfauna konnten wir nichts zur auffällig üppigen Bärtierchen-Artenvielfalt im Münchner Isarareal finden.
Da die Bärtierchen leider auch mit uns nicht direkt verbal kommunizieren, haben wir ersatzweise versucht, uns statt dessen in ihre Lebensweise hinein zu versetzen und ihre Sichtweise in Form eines fiktiven Erlebnisberichtes in Menschensprache auszuformulieren:

"Nennen Sie mich einfach Max, Max von der Maximiliansbrücke. Damit Sie sich besser vorstellen können wie ich aussehe, finden Sie gleich hier unten, wie in jeder besseren Klatschkolumne, ein kleines Portrait von mir:


[ Echiniscus ]

Bärtierchenportrait (Genus Echiniscus). Im Gegensatz zu den üblichen rasterelektronenmikroskopischen Fotos, für die die Bärtierchen getötet werden müssen, erkennen Sie auf diesem lichtmikroskopischen Bild die charakteristische Körperfarbe und, wegen der natürlichen Transparenz, auch die Augen. Damit haben Sie den Gesichtsausdruck.
Wie traurig ist doch ein graues, rasterelektronen-mikroskopisches Bärtierchenportrait, bei dem keine Augen zu sehen sind!

Körperbreite ca. 0,1 mm.


Und ich bin stolz auf meinen Wohnbereich im Herzen Münchens, dicht an der Maximilianstraße, die sogar im mickrigsten Münchenführer ausführlich besprochen wird.


[ Bärtierchenbiotop ]

Großes grünes Bärtierchenbiotop auf einer Betonwandung unter der Münchner Maximiliansbrücke (im Bildvordergrund).

Die Maxbrücke verbindet die München Innenstadt unter anderem mit den Stadtteilen Haidhausen und Bogenhausen.

Das gesamte Areal um Deutsches Museum, Lukaskirche, Müllersches Volksbad, Prannerinsel etc. ist aus städtebaulicher Sicht einzigartig und gleichzeitig ein grünes Paradies für Radler, Spaziergänger -

und Bärtierchen.



Natürlich haben wir Bärtierchen keine richtigen Namen. Wie Sie als Leserinnen und Leser des Bärtierchen-Journals wissen, sind wir sowieso eher Einzelgänger, daran ändern auch unsere gelegentlichen sexuellen Aktivitäten nur wenig. Jedenfalls bin ich stolz auf meine Herkunft aus dem bayerischen Oberland. Schon vor Jahrhunderten klammerten sich meine alpinen Vorfahren während einer furchtbaren Überschwemmung an ein kleines Ästchen, welches nach langer, pilzlastiger Reise schlie▀lich vor der Münchner Maximiliansbrücke strandete. Die Urahnen, nennen wir sie einfach Opa und Oma, chemosensorierten (Euch Menschen fehlen leider die Unterwassernase und das passende Vokabular) vor der Brücke ein verlockendes Umfeld, mit ausreichend Moosbewuchs und erfreulich hohem Calciumanteil, vorteilhaft in den Uferböschungen fixiert. Heute weiß ich, daß wir das Calcium zu einem großen Teil dem von den Menschen an der Isar reichlich verbauten Beton verdanken.
Natürlich war die Stadt München schon damals ein brodelnder ethnischer Schmelztiegel - denken Sie nur an das viele fahrende Bärtierchen-Volk, welches von den unterschiedlichsten einsamen Bergregionen und Isarabschnitten kommend in München strandete und dort zusammenfand! Insbesondere die vielen Milnesien (Anmerkung der Redaktion: gemeint ist das räuberische Bärtierchen Milnesium tardigradum), versetzten Oma und Opa damals in Schrecken.


[ Milnesium tardigradum ]

Das räuberische Bärtierchen  Milnesium tardigradum , häufig in den Isarauen wildernd.
Körperlänge knapp 0,5 mm.


Mittlerweile haben wir uns jedoch an die Situation gewöhnt und gehen hungrigen Milnesien einfach aus dem Weg. Sogar die Kleinen kapieren das schnell. Man muß ja auch ziemlich beschränkt sein, wenn man ein herannahendes Milnesium nicht schon von weitem aufgrund seines Wasserschallmusters erspürt!
Ansonsten genießen wir die üppige Nahrungsvielfalt und soziale Gemeinschaft im Ethnokessel Isarbett. Auch die viele Sonne an den Isar-Uferwänden hilft uns im alltäglichen Kampf gegen salamigroße (!) Bakterien und gegen Pilzinfektionen. Das ist eben ein großer Nachteil unserer Miniaturisierung: die Schädlinge sind genauso groß wie bei anderen Lebewesen, für uns Winzlinge eben vergleichsweise riesengroß!
Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen: Über die Renaturierung sprechen wir beim nächsten Mal. Es gibt auch schon reichlich Fotos dazu. Bereits jetzt aber möchte ich betonen, daß ich selbst strikter Nichtraucher bin. Schauen Sie nur, was so ein mieser Rauchermensch aus einem unserer Brückenbiotope vor der Museumsinsel gemacht hat. Ich bin sowieso noch ziemlich sauer, daß man uns beim Münchner Brückenfest vor lauter Reden, Saufen und Feiern glatt vergessen hat."


[ Biotopvernichtung ]

Zigarettenstummel in den von Bärtierchen besiedelten Hohlräumen an der Isarbrückenbrüstung vor dem Kongreßsaal des Deutschen Museums.



Links

Isar-Plan der Landeshauptstadt München

Homepage der Isar-Allianz


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© Text, Fotos und Filme von  Martin Mach